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Kompetenzanalyse- und Reflexionsprozess (KomRef-Prozess)

Die Leibniz School of Education hat es sich zur Aufgabe gemacht, Studierenden einen reflexiven Umgang mit ihrer Studien- und Berufswahl zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang bietet sie seit Sommersemester 2017 ein Peer-Mentoring-Programm für Lehramtsstudierende an, innerhalb dessen dieser reflexive Umgang ermöglicht und eingeübt werden kann.

Der reflexive Umgang vollzieht sich entlang der Analyse und Reflexion eigener bereits vorhandener Kompetenzen und zukünftiger beruflicher Anforderungen im Lehrerberuf. Für diesen Prozess wurde speziell der Kompetenzanalyse- und Reflexionsprozess (KomRef-Prozess) entwickelt, welches primärer Bestandteil des Peer-Mentorings ist. Der KomRef-Prozess wurden in Anlehnung an etablierte Verfahren zur Analyse und Reflexion von Kompetenzen (u. a. Gillen/Dehnbostel 2007, Lang-von Wins/Triebel 2007) entwickelt und speziell für den Fall der Lehramtsstudierenden angepasst.

Der Prozess orientiert sich an fünf aufeinander aufbauenden Schritten (siehe nachstehende Tabelle), die jeweils einen besonderen Beitrag zu diesem reflexiven Umgang mit der eigenen Studien- und Berufswahlentscheidung ermöglichen.

Schritt 1: Kompetenzanalyse durch Biografiearbeit

Der erste Schritt im KomRef-Prozess umfasst die individuelle Kompetenzanalyse. Hierbei sind die Mentees aufgefordert, sich an prägende Erfahrungen in ihrem bisherigen Leben zu erinnern, diese zu dokumentieren und in Form eines Entwicklungspunkteprofils zu visualisieren. Darauf aufbauend analysieren sie die aus diesen Erfahrungen hervorgegangenen Kompetenzen, sowohl eigenständig als auch in einer Gruppe. 

Auf der Basis dieser Erkenntnisse stellen die Mentees ihre Erfahrungen grafisch in Form des Entwicklungspunkteprofils dar. Diese Darstellung ist wichtig, um bspw. bisher erlebte positiv herausfordernde oder negativ belastende Situation zunächst einmal sichtbar zu machen und darüber ein Bewusstsein für die bisherigen Entwicklungspunkte zu erhalten.

Schritt 2: Kompetenzreflexion in und durch Gespräche

Das visualisierte Entwicklungspunkteprofil dient in diesem Schritt als Gesprächsanlass bzgl. der Kompetenzreflexion. Diese Reflexion konzentriert sich auf die ansteigenden Bereiche des Entwicklungspunktprofils. Primär geht es um die Frage, durch was die negativ belastenden Situationen bewältigt werden konnten und welche Ressourcen und Kompetenzen sich daraus entwickelt haben. Insofern wird innerhalb dessen eine durchweg ressourcenorientierte Haltung eingenommen. Besonders bedeutsam an dieser Stelle ist, dass es nicht um die Diskussion der prägenden Erfahrungen an sich geht, sondern um die dadurch ausgelöste Kompetenzentwicklung geht.

Schritt 3: Berufsbezogene Kompetenzeinschätzung

Über diese selbstbezogene Kompetenzanalyse hinaus (Schritt 1 und Schritt 2) setzen sich die Mentees in Schritt 3 mit relevanten Kompetenzen bezüglich des Lehrerberufs auseinander. Anhand von Videofallvignetten analysieren sie einerseits, welche Kompetenzen die jeweilige Situation abfordert und reflektieren andererseits, welche ihrer eigenen Kompetenzen sie zur Bewältigung dieser Situation einbringen können.

Schritt 4: Reflexion Studienwahlentscheidung

Auf der Basis der bisherigen Analyse- und Reflexionsprozesse (Schritt 1-3) überprüfen die Mentees ihre Studienwahlentscheidung. Innerhalb dessen beziehen sie alle bisherigen Erkenntnisse aus den Analysen und Gesprächen mit den anderen Mentees und Dir mit ein sowie ihre bisherigen Erfahrungen mit dem Studium selbst.

Da diese Reflexion sehr individuell ist, findet sie an dieser Stelle in Einzelarbeit statt. Die Mentees sind in diesem Schritt dazu aufgefordert, einen Brief an sich selbst zu verfassen, in dem sie formulieren, wo sie sich in einem Jahr sehen.

Schritt 5: Weiterentwicklung im Studium

Bezogen auf das Ergebnis aus der Überprüfung der Studienwahlentscheidung planen die Mentees die Schritte, die zur Erreichung Ihrer Ziele und/oder Visionen aus dem Brief an mich selbst nötig sind (siehe Schritt 4). Eckpunkte dessen könnten die Veranstaltungswahl, Planung von Zusatzqualifikationen, Praktika, Fachwechsel o. ä. sein. Durch das Aufstellen eines Aktionsplanes mithilfe von SMART-Zielen können die Mentees konkrete Zielsetzungen formulieren, die die Zielerreichung unterstützt.


Literatur

Gillen, Prof. Dr. Julia; Dehnbostel, Prof. Dr. Peter (2007): Der Kompetenzreflektor - Ein Verfahren zur Analyse und Reflexion von Kompetenzen. In: Erpenbeck, John; von Rosenstiel, Lutz (Hrsg.): Handbuch Kompetenzmessung - Erkennen, verstehen und bewerten von Kompetenzen in der betrieblichen, pädagogischen und psychologischen Praxis. 2. Aufl. Stuttgart: Schäffer-Poeschel Verlag. S.459-471.

Lang-von Wins, Thomas; Triebel, Prof. Dr. Claas (2007): Kompetenzenbilanz In: Erpenbeck, John; von Rosenstiel, Lutz (Hrsg.): Handbuch Kompetenzmessung - Erkennen, verstehen und bewerten von Kompetenzen in der betrieblichen, pädagogischen und psychologischen Praxis. 2. Aufl. Stuttgart: Schäffer-Poeschel Verlag. S.412-421.