Logo Leibniz Universität Hannover
Logo alternativ Text
Logo Leibniz Universität Hannover
Logo alternativ Text
  • Zielgruppen
  • Suche
 

Was verbindet Leibniz und die Lehrerbildung?

Der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz ist unsere Leitfigur, unser Projekt trägt seinen Namen. Warum haben wir gerade ihn gewählt, weshalb lässt ihn seine Geisteshaltung zu unserem Vorbild werden?

Leibniz gilt als ein Vertreter der Frühaufklärung. Seine mannigfaltigen Überlegungen und Schriften nahmen großen Einfluss auf die klassische deutsche Philosophie und den deutschen Idealismus. Ebenso prägte Leibniz die Literatur und Klassik. Seine naturwissenschaftlichen Erkenntnisse und seine technischen Erfindungen gerieten wegweisend. Als einer der letzten großer Denker mit universellem Interesse steht er für die Wissenschaft aus der Zeit bis zum 18. Jahrhundert. Damals galt es, unterschiedliche Fächer vielfältig zu verknüpfen und übergeordnete Zusammenhänge herzustellen. Leibniz trieb ein schier unstillbarer Drang an, sich immer neues Wissen anzueignen. Noch im hohen Alter zeigte er sich dabei neugierig wie ein Kind. Berühmt geworden ist sein Zitat:
„Beim Erwachen hatte ich schon so viele Einfälle, dass der Tag nicht ausreichte, um sie niederzuschreiben.”

Leibniz' Verständnis von Theorie und Praxis als Prämisse für die Lehrerbildung

Der Leibniztempel von 1790 in Hannovers Georgengarten: Deutschlands erstes Denkmal für einen Nicht-Adeligen

Ein lebenslanger Wunsch Leibniz’ bestand darin, Akademien zu gründen. Sie sollten es den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ermöglichen, finanziell abgesichert ihrer Forschung nachgehen zu können. Die Erkenntnisse dieser Arbeit sollten der Allgemeinheit einen praktischen Nutzen verschaffen – Leibniz ging es nicht um Forschung als Selbstzweck. Dies äußert sich explizit in seinem Grundsatz „Theoria cum Praxi“, den wir für unser Projekt als Titel gewählt haben. Welch fundamentalen Stellenwert das Zusammenspiel von Theorie und Praxis für Leibniz besaß, lässt sich auch in seinen Regeln zur Förderung der Wissenschaften nachlesen. Darin äußerte er: „[...] wenn ich schließlich bemerke, dass die Praxis keinen Nutzen zieht aus dem Lichte der Theorie, […] dann befürchte ich, dass wir durch eigenes Verschulden noch lange Zeit in unserer derzeitigen Verwirrung und geistigen Armut verharren werden.“

Eine wesentliche Herausforderung der universitären Lehrerbildung liegt darin, eine enge Verbindung zwischen Theorie und Praxis herzustellen. Letztlich muss es gelingen, die theoretischen Inhalte des akademischen Studiums mit der späteren Berufspraxis in Verbindung zu bringen, damit das weithin gefürchtete „Theorie-Praxis-Dilemma“ ausbleibt. Für die Lehrerbildung ergibt sich hier eine Besonderheit: Die Studierenden des Lehramtes bringen oft ein hohes Maß an Praxisverständnis mit an die Universität. Aus den noch plastisch vorhandenen Erinnerungen an die Schülerin- bzw. Schülerperspektive besitzen sie häufig ein klares Bild von gutem Unterricht, verbunden mit intuitiven Theorien. Das Bestreben der Universität besteht darin, den Studierenden einen Perspektivwechsel von der lernenden hin zur lehrenden Person zu ermöglichen. Gleichzeitig muss die Universität das vorhandene Praxisverständnis um eine theoretisch begründete Deutung von erfolgreichem Unterricht erweitern. Denn Evidenzen können auch kontraintuitiv sein und den impliziten Theorien aus der Schulerfahrung widersprechen. Um diesen anspruchsvollen Aufgaben gerecht zu werden, profitiert die Lehrerbildung davon, sich an Leibniz zu orientieren. Wir verstehen die Lehrerbildung daher im Leibniz'schen Sinne als Einheit aus Wissenschaft, Reflexion auf die Praxis und Fördern pädagogischer Haltungen.

Die erste Akademie nach Leibniz’ Vorstellung entstand 1700 in Berlin. Friedrich III. gründete sie als Kurfürstlich-Brandenburgische Societät der Wissenschaften und berief Leibniz zu ihrem ersten Präsidenten. Anders als ihre Vorbilder, die Royal Society in London und die Académie de sciences in Paris, vereinte die Berliner Akademie erstmals Natur- und Geisteswissenschaften – und das von Anfang an.

Leibniz' Geisteshaltung

Leibniz-Denkmal an der Georgstraße in Hannover
Leibniz-Denkmal von 2008 an der Georgstraße in Hannover

Leibniz’ liberale Geisteshaltung nötigt uns großen Respekt ab. Ohne Vorurteile und mit Wertschätzung anderer Meinungen und Kulturen ging er an unterschiedliche Probleme heran. Leibniz bezog die größeren Zusammenhänge ein und empfand dabei eine fortwährende Freude an der Erkenntnis. Auch Rückschläge hielten ihn nicht auf. Wenn nötig unternahm er stets weitere Versuche, um sein Ziel zu erreichen. Genau wie Leibniz wollen auch wir uns nicht durch Rückschläge entmutigen lassen. Im Sinne der Reflektierten Handlungsfähigkeit sehen wir ein Abweichen vom beabsichtigten Tun auch als Chance. Denn nicht antizipiertes Verhalten kann durchaus positive Wirkungen zur Folge haben und bietet Anlässe, sich mit dem eigenen Begründungssystem für das geplante Vorgehen auseinanderzusetzen.

Im Laufe seines Lebens widmete sich Leibniz vielfältigen Themen und Wissenschaftsbereichen. Indem er die Erkenntnisse eines Fachs auf andere übertrug, praktizierte er schon damals eine interdisziplinäre Herangehensweise. Das Leibniz'sche Wissenschaftsverständnis passt sehr gut zur universitären Lehrerbildung, deren Fächervielfalt und Interdisziplinarität seit jeher wichtige Merkmale darstellen. An der Leibniz Universität sind sie besonders ausgeprägt: Allein für das gymnasiale Lehramt gibt es an der Leibniz Universität Hannover 19 Unterrichtsfächer, u. a. die MINT-Disziplinen, Sprachen, Geschichte, Musik, Politik, Religionswissenschaften und Sport. In der Summe ergeben sich damit über 80 Fächerkombinationsmöglichkeiten. Hierzu kommen neun Unterrichtsfächer und vier Förderschwerpunkte im Bereich Sonderpädagogik sowie elf Unterrichtsfächer und sechs berufliche Fachrichtungen im Berufsschullehramt. Für Leibniz prägte seine universale Haltung die Sicht auf die Welt, die er als „Einheit in der Vielheit” begriff.